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Es reicht wohl nicht, dass der technische Umgang mit Second Life® so manche Hürden für den interessierten Laien mit sich bringt. Rechtsfragen, Gestaltungsprinzipien, soziale Kompetenz, kulturelle Toleranz; die Palette scheint unbegrenzt zu sein. Nun, da es sich um die Simulation, bzw. die Herstellung von virtuellen „Welten“ handelt, mit so ziemlich vielen Facetten der uns bekannten „realen physischen Welt“ und noch einigen nur hier möglichen Eigenschaften, ist der Komplexitätsgrad vorgezeichnet. Vermehrt findet man in Artikeln und Kommentaren zu Second Life® und virtuellen Realitäten den Begriff „Immersion“. Was man darunter zu verstehen hat möchte ich in den weiteren Zeilen anschneiden, wobei ich allerdings einige weitere Begriffe etablieren möchte, die ebenfalls im Alltagssprachgebrauch eher seltener zu hören sind.
Eintauchen in „künstliche“ Welten
Immersion wird im Zusammenhang mit virtueller Realität als Eintauchen in künstliche Welten verstanden.
In der deutschen Wikipedia liest man hierzu:
„Mit dem Begriff der Immersion wird im Diskurs des Game Design die Erfahrung eines Spielers, sich in einer virtuellen Welt zu befinden, umschrieben. Spieler können dieses Gefühl sehr verschieden intensiv erleben, dies hängt vom Spiel, von der Persönlichkeit des Spielers und von der Dauer des Spielens ab. Bartle unterscheidet vier unterschiedliche Stufen der Immersion (Levels of Immersion), nämlich:
- player – Die Spielfigur ist ein Mittel zur Beeinflussung der Spielwelt.
- avatar – Die Spielfigur ist ein Repräsentant des Spielers in der Spielwelt. Spieler sprechen in der dritten Person über die Spielfigur.
- character – Computerspieler identifizieren sich mit der Spielfigur und sprechen in der ersten Person über sie.
- persona – Die Spielfigur ist Teil der Identität des Computerspielers. Er spielt keine Figur in einer virtuellen Welt, er ist selbst in einer virtuellen Welt.
“
Der eine sagt vielleicht „mein Avatar hat seine Haare verloren“, ein anderer „Ich hab meine Haare verloren“. Hier gibt es schon erhebliche Unterschiede in der Identifizierung der Beteiligten. Es kommt auch vor, das die unterschiedlichen Sichtweisen von der Tagesform des Nutzers abhängig sind. Um nun ein Gefühl des Eintauchens oder des hier Seins zu erleben, muss man sich, egal welche detailtreue die Simulation aufweist, auf die angebotene Welt auch einlassen. Es gibt User die einen ziemlich hohen Immersionslevel schon bei „Phönix“ oder „Pac Man“ auf einem Handy erreichen.
Der radikale Konstruktivismus oder Jedes Gehirn konstruiert eine eigene Welt
Vereinfacht sagt der radikale Konstruktivismus, dass das Bild von der Welt in unserem Gehirn entsteht, und jedes Gehirn ist individuell verschieden. Heinz von Foerster beispielsweise veranschaulichte das oft mit der Unterscheidung zwischen trivialen Maschinen und Nicht trivialen Maschinen. Jeder interessierte der sich etwas mit Hirnforschung auseinander setzt, weiß um die Problematik.
Auf der einen Seite glauben wir, das unser limbisches System im Gehirn verantwortlich zeichnet für die Urtriebe wie „Stimulanz, Dominanz und Balance“.
Aber Funktionen wie beispielsweise intellektuelle Leistungen funktionell alleine dem limbischen System zuzuschreiben, scheint heute nicht mehr tragbar zu sein. Das komplexeste Organ im uns bekannten Universum ist keinesfalls eine „triviale Maschine“.
In den vergangenen Jahrzehnten wurden in der westlichen Welt so manche Trivialisierungsfesseln auf gebrochen, und es konnte sich ein „Bewusstsein 2. Ordnung“ im Volk verbreiten. Es ist nun möglich, Wahrnehmung als viabel zu bezeichnen. Das bedeutet, es gibt verschiedene Interpretationen im „erfinden“ eines Weltbildes welche aus der Sicht des jeweiligen Interpreten „Wahr“ sind. Ist diese „Erfindung“ nun auch einigen anderen Menschen zugänglich, also wird sie von anderen geteilt, dann ist sie viabel.
Die viable Immersion
Wenn man nun diese Erkenntnisse der „individuellen Erfindung“ beim Wahrnehmen berücksichtigt, ist es auch nicht mehr so verwunderlich, das manche bei Second Life® so gut wie gar keine „Immersionserlebnisse“ wahrnehmen. Selbst innerhalb der eingeschworenen Gemeinschaft der SL-User gibt es ja auch kleinere und größere Gruppen die einen Ausschnitt dieser offenen 3D-Welt als viabel bezeichnen würden und andere Ausschnitte eben nicht. Halt der „ganz normale Wahnsinn“ ;-).







Bzgl. des wissenschaftlichen Anspruches würde mich sehr interessieren, ob es bereits Methoden gibt, den Grad der Immersion zu messen? Hat jemand eine Information?
Beste Grüße,
Andreas Patrick Wunderland Mertens (<- Das zum Thema Immersion)
Wenn wir schon einmal dabei sind, was ich dort oben gemacht habe, also die Vermischung meines RLN und SLN, wäre ja, wenn ich es nicht aus Spaß und in vollem Bewußtsein tun würde ein “Hängenbleiben” in einer eingetauchten Welt – oder ein “Mitnehmen” von Erfahrungen aus einer (eingetauchten) Welt in eine andere (eingetauchten) Welt. Ich vermute stark, das das Ritual vor- und nach dem Eintauchen in eine Welt eine besondere Rolle spielt. Interessant in diesem Zusammenhang ist ja auch das Träumen. Ich persönlich glaube, dass hier ein enormes Forschungspotential vorhanden ist !
Spannend, Deine Anmerkungen zur Immersion. Beim Handy-PacMan hatte ich gleich verschiedene Bilder vor Augen und musste herzlich lachen… Es braucht wirklich keine Hochglanzgrafik für den Effekt. Der archaische Jagd- und Überlebensinstinkt genügt vollkommen.
HerbstSternWind
Um den Grad der Immersion zu messen, müsste man wohl erst einmal ein Referenzsystem ersinnen, welches aus meiner heutigen Sicht wieder eine trivialisierung wäre.
Aus dem Betrachtungswinkel der “2. Ordnung” halte ich IQ Tests ebenfalls für triviale Modelle. Soll nicht heissen, dass das für mich Unsinn wäre. Vielleicht hilft dieser Link zur weiteren Betrachtung.
Ich sehe in dieser gesamten Diskussion noch zwei interessante Aspekte:
(1) Die Fähigkeit des Menschen bzw. des menschlichen Gehirns, Unzulänglichkeiten der Technik (z. B.) Grafik zu kompensieren und trotzdem einen hohen Grad der Immersion zu erreichen. So war es beim Flimmerfernsehen (50 Hz) aber auch beim Telefon (geringe Bandbreite).
(2) Auf der Autofahrt heute mit Thomas fragte ich: “Wie kann man den Immersionsgrad” messen? Er antworte: “Vielleicht im Bereich der Hirnforschung, Alphawellen usw.”. Und in der Tat wurde ich hier bei Wikipedia sehr fündig. Die EEG-Frequenzbänder ab dem Alpha-Bereich sind wohlmöglich die Bereiche hohen Immersionsgrades.
Ich habe gerade mal gegoogelt. Der HAMMER. Man lese nur das hier zum Thema Steuerung eines Second Life Avatars durch bloße Gedanken !!!!
Interessant ist auch dieser Helm in diesem Zusammenhang.
Vielleicht ist auch noch eine Differenzierung zwischen Immersionsgrad und Immersionsqualität nötig.
Also Immersion 1. und 2. Ordnung?
Hab heute ein aus meiner Sicht wunderschönes Beispiel für Immersion gefunden http://www.youtube.com/watch?v=ddMd3bqcgSo