Als ich begann diesen Artikel zu schreiben, gab es 7,2 Millionen Registrierungen, heute haben wir 8 Millionen Second Life® Residents. Second Life® bewegt sich derzeit mit einem Community-Wachstum von ca. einer Million Registrierungen pro Monat voran. Das bedeutet das sich in den letzten 60 Sekunden ca. 23 Menschen registriert haben! Am 10. Dezember, Avameo berichtete, zählten wir knapp 2 Millionen SL-Registrierungen.
Nach Gartner nutzen Ende 2011, 80 Prozent der aktiven Internetbenutzer virtuelle Welten:
STAMFORD, Conn., April 24, 2007 — By the end of 2011, 80 percent of active Internet users (and Fortune 500 enterprises) will have a “second life�?, but not necessarily in Second Life®, according to Gartner, Inc.
Der Markt addressiert somit nach heutigen Zahlen ca. 600 bis 700 Millionen Menschen, das Internetwachstum selbst bis 2011 nicht mit eingerechnet!
Die Frage, die mich als Kybernetiker beschäftigte, war und ist, was die entscheidenen Erfolgsfaktoren und Treiber sind, die für diesen Erfolg verantwortlich sind. Natürlich war es geschickt von Linden Lab, nicht eine Grafikqualität wie World of Warcraft abzubilden, denn in diesem Falle wäre die Eintrittsbarriere wegen einer kostenintensiven Grafikkarte zu hoch gewesen. Durch den relativ niedrigen Preis für eine Second Life®-fähige Grafikkarte von 40 bis 60 Euro konnte Second Life® so eine kritische Masse an Registrierungen erreichen - von der Hausfrau mit einem veralteten Desktop-PC bis zum Projektmanager mit einem normalen Business-Notebook. Ein Second Life®-Benutzer benötigt also keine Grafikkarte zwischen 250 Euro und 450 Euro, wie dies bei High-End-Computerspielern der Fall ist. Ganz sicher war dies eine Voraussetzung dafür, dass sich Second Life® so schnell verbreitet. Diese trivialen Überlegungen haben mich allerdings weniger beschäftigt, sondern eher sind es die psychologischen Erfolgsfaktoren, die ich in meinen Forschungen herausgearbeitet habe.
Dieser Artikel beschreibt deshalb die von mir herausgearbeiteten vier Erfolgsfaktoren (WIKT Metamodell):
- Wertschätzungsmechanismen
- Identifikation
- Kommunikation
- Teil-der-Welt-Aspekt
Diese vier eher psychologischen bzw. soziologischen Erfolgsfaktoren sind für den Erfolg von Second Life® bedeutend gewesen und spielen auch für die Zukunft eine wesentliche Rolle. Ich glaube sogar, dass diese Faktoren auf Web 2.0-Anwendungen als "Checkliste" übertragbar sind, um die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Plattform vor einer Investition zu prüfen.
Erfolgsfaktor 1: Wertschätzungsmechanismen

Jeder Mensch, im realem wie im virtuellem Leben benötigt Wertschätzung. Egal wie und auf welcher Weise, positiver oder negativer. Wichtig ist Be-Achtung, Wert-schätzung. Second Life® implementiert monetäre wie nicht monetäre Wertschätzungsmechanismen. Die einfache Wertschätzung durch das Zahlen einer Leistung geschieht in Second Life® durch den Linden Dollar. Jeder Resident (Avatar) kann einem anderem Resident einfach und problemlos Geld in Form von Linden Dollars übertragen. Zum Beispiel, die Zahlung von 150 L$ für eine Dienstleistung X oder für die Übertragung eines virtuellen Gutes Y. Wertschätzung kann aber auch durch eine Schenkung Geschehen. Sowohl virtuelles Geld als auch virtuelle Gegenstände können problemlos verschenkt werden. Ein besonderes Ereigniss - ich werde es nicht vergessen - war, als ich einem weiblichen Avatar eine Blumenvase mit einer persönlichen Textur modellierte, mit virtuellen Blumen versah und verschenkte. Die Reaktion war erstaunlich, die Person drückte deutlich ihre Freude durch Mechanismen im virtuellen Raum (Dankesanimation) aus. Wertschätzung kann also im dreidimensionalem Raum durch virtuelle, nonverbale Kommunikation ausgedrückt werden, zum Beispiel durch einen Dankesgruß, durch das Abspielen einer "in die Hände klatschen"-Animation usw. usf. Aus meiner Sicht kommt diesem Aspekt eine besondere Bedeutung zu (!)
Erfolgsfaktor 2: Identifikation
Jeder von uns, jeder Mensch braucht eine Identifikation. Dies erreicht er dadurch, dass er sich von anderen unterscheidet, durch seine Gedanken, sein Tun, seinen Ausdruck, sein Aussehen, ... Dies macht schließlich Individuen aus. Die Macher von Second Life®, Linden Lab, haben die Voraussetzungen für eine individuelle Avatargestaltung geschaffen, die es ermöglichen sehr individuelle virtuelle Abbilder (Avatare) zu kreieren. Mit hunderten von Parametern lassen sich Second Life®-Avatare so detailreich gestalten, dass kein Avatar einem anderen ähnelt. Dadurch ist auch eine hohe Identifikation des Menschen mit seinen persönlichen Avatar möglich !
Erfolgsfaktor 3: Kommunikation
Der vierte Erfolgsfaktor Kommunikation wird durch die zahlreichen Kommunikationsmechanismen in Second Life® abgebildet. Neben Chat, Gruppenbildungsmöglichkeiten und Abstimmungsmechanismen ist seit kurzem nun auch die
Sprachintegration hinzugekommen. Ein weiterer, hoch interessanter Aspekt der Kommunikation, ist allerdings tatsächlich die virtuelle nonverbale Kommunikation.
Erfolgsfaktor 4: Teil-der-Welt-Aspekt
Ebenfalls jeder von uns, möchte die Welt um sich herum mit-gestalten. Der Mensch möchte seine Umgebung verändern und mitgestalten können. Durch sein Tun und seine Mit-gestaltung der Welt, kommt seine Kreativität zum Ausdruck. Fast alles in Second Life® ist nicht von dem Hersteller der internetbasierten 3D-Infrastruktur entstanden, sondern durch die Teilnehmer, den sog. Residents, selbst. Wie im echten Leben!
Interessierten Lesern sei das Buch
"Teil der Welt" von Monika Broecker und Heinz von Foerster empfohlen.
In Second Life® basiert alles auf einem Set von sog. primitiven Elementen, den PRIMS. Alle komplexeren Objekte sind letztlich aus PRIMS bzw. parametrisierten PRIMS zusammengebaut, ähnlich wie Legosteine. Hinter dem Schlagwort "User generated Content" in der Web 2.0-Diskussion steckt letztlich der Teil-der-Welt-Aspekt.
So kann man Folgendes innerhalb der virtuellen Welt Second Life® beobachten:
- Hohe Identifikation mit der Kleidung / Life Style. Hierdurch wird nonverbal etwas zum Ausdruck gebracht
- Ein Abstand zwischen den Avataren wird gewahrt (Intimsphäre)
- Ein anrempeln wird als unangenehm empfunden
- Nonverbale Kommunikation durch Animationen (Hände klatschen, Hände schütteln, umarmen, ....
- Mann kann beobachten was andere Avatare bzw. der Mensch dahinter anschaut. So ist in etwas nachvollziehbar auf was sich ein Avatar bzw. der Mensch hinter dem Avatar visuell konzentriert
Insbesondere den letzten Punkt finde ich besonders spannend. Die Konzentration auf das beobachete visuelle Objekt wird durch die Kopfbewegung eines Avatars angedeutet.
Neben diesen "weichen Erfolgsfaktoren" entscheiden demnächst einige "harte Erfolgsfaktoren" über die Zukunft von Second Life®. U.a. wird dies die Offenlegung der GRID-Technologie als OpenSource betreffen, sowie einige weitere technische Faktoren.
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