Warum Second Life kein Spiel ist?

Second Life® Teaser, Vortrag

Ist Second Life® ein Spiel? Ja oder nein? Auf dem diesjährigen Berliner November, der von der GfK und der GPI veranstaltet wurde, habe ich folgenden Vortrag gehalten.

Nach wie vor denken viele, dass Second Life® ein Spiel ist. Vermutlich, weil es aussieht wie ein Spiel. Meine Hauptargumentation, warum Second Life® kein Spiel sei, war bisher, das es keine definierten, zeitlich begrenzten Spielregeln gibt, wie beispielsweise bei Siedler oder Mensch-ärgere-Dich-nicht. Darauf hin antwortete ein Zuhörer, dies wäre auch nicht beim Spiel seiner Tochter am Barbie-Puppenhaus der Fall. Die Fanasie bringt das Kind ein. Der "Rahmen" ist nur das Haus ohne Spielregeln. Dieses Argument fand ich interessant. So habe ich eine neue Argumentation, worin sich Second Life® von einem "klassischen" Spiel unterscheidet:

  • In Second Life® gibt es bis auf die Big Six kein Regelsystem
  • Es gibt Menschen, die ihr eigenes Regelsystem in Second Life® definieren (SIM mit Angebot, Regeln, ...)
  • Es gibt Menschen, die von Anderen definierte Regelsysteme "konsumieren"

Somit ist Second Life® u.a. eine Plattform, um Regelsysteme zu implementieren. Des weitereren ist SL natürlich kein Spiel, da eine wirtschaftliche Kopplung an das umliegende Wirtschaftssystem besteht (Linden Dollar <->US Dollar).

Letztlich ist es jedoch egal, ob Second Life® ein Spiel ist oder nicht. Es interessieren die Wirkungen, die Second Life® hinterlässt

Über Patrick
Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

Kommentare

  1. rene says:

    Das Barbiehaus ist ja auch kein Spiel, es ist ein “Spielzeug”. das ist zwar ein wenig korintenk***erig, aber der besagte Zuhörer würde sicherlich nicht nach Hause kommen und sagen: “Ich habe Dir ein neues Spiel gekauft!”, wenn er ein Puppenhaus unter dem Arm hat. Insofern ist auch das Puppenhaus nur ein Objekt (wie ein Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Steinchen), dass ich nutzen kann um daraus ein Spiel zu machen bzw. damit zu spielen.

    Da wären wir dann bei einem “Pappkarton”, das ist weder Spiel noch Spielzeug und dennoch kann ein Kind damit wunderbar spielen. Es gibt meiner Meinung nach durchaus Unterschiede zwischen einem Spiel, einem Spielzeug und dem Bespielen eines Gegenstandes (oder einer Software)…

    Oder kürzer: Ich stimme völlig zu!

  2. Torrid Luna says:

    A game is a system in which players engage in an artificial conflict, defined by rules, that results in a quantifiabe outcome.
    (Salen&Zimmerman, Rules of Play — Game Design Fundamentals)

    Das ist aber alt, oder?

  3. Einige Gedanken zum Begriff Spiel

    Die Liebe ist ein seltsames Spiel.
    Sony ist ein Global-Player.
    Ich spiele Keyboards, Gitarre und Schlagzeug.
    Die meisten Sportarten gelten als Spiel.
    Mein Sohn lernt am liebsten durch Spiele.
    Der Flugsimulator wird nicht von wenigen als Spiel “missbraucht�.
    Manager spielen Planspiele.
    Ich empfehle Spiele der Erwachsenen zu lesen…

    Es kommt meiner Meinung nach auch darauf an, was man mit dem Begriff “Spiel� verbindet. Eigentlich kein schlimmes Wort, oder?

  4. Patrick says:

    Richtig, ich erwähnte ja bereits, eigentlich ist es egal, ob SL ein Spiel ist oder nicht. Auf die Wirkung kommt es an. Ich vermute nur, das viele Menschen dazu neigen, etwas als *unwichtig* abzutun, weil es ein Spiel ist. Diese Menschen spielen vielleicht nicht mehr, oder haben verlernt zu spielen und haben dadurch die Bedeutung von spielen vergessen :-)

    Was soll eigentlich daher das Substantiv Spiel oder das Verb spielen ….

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