Am 24. Und 25. September fand die diesjährige stART-Konferenz in der Mercatorhalle in Duisburg statt. Ziel dieser Veranstaltung war es „….Kulturschaffende und ExpertInnen aus dem Social Media Bereich zusammen zu bringen….“, wie man auf der Homepage nachlesen kann. Dabei wollte man als „….Schnittstelle zwischen Kunst, Kultur und Web2.0….“ fungieren.
Zwei Tage lang fanden diverse Vorträge zu den Themen Öffentlichkeitsarbeit, Kulturverwaltung, -vermittlung, -produktion und Projektmanagement statt. Sie bezogen die Disziplinen Musik, Bildung, Theater, Museum und Literatur ein.
Am Rubikon zwischen Realität und Virtualität
Unter anderem engagierte sich SLTalk & Partner mit dem eineinhalbstündigen Vortrag „Am Rubikon zwischen Realität und Virtualität“ und selbstverständlich ging es darin um den Fluss von Kunst und Kultur in den virtuellen Raum. Zur Unterstützung ihrer Rede hatten Andreas Mertens und Michael Wald sich etwas Schönes einfallen lassen: eine Fashion-Show mit anschließender Talkrunde im Second Life, die man live in den Seminarraum übertragen wollte. Damit sollte im Prinzip ein anschauliches Beispiel für die Möglichkeiten im Second Life gegeben werden.
Das Programm war von hochkarätigen Gästen gekrönt – Draxtor Despres, Jaynine Scarborough, Tia Ryba, Kaya Angel, nerd Bert und andere – und fand in dem derzeit einzigartig schönen Rose Theatre statt. Das Ganze war irre nett gedacht, entwickelte sich dann jedoch zu einem live Event mit ungewollten Überraschungen, wie es eben immer mal so vorkommt, wenn man sich auf Neues einlässt. Aber nun will ich nicht zu weit vorgreifen, sondern Pia Piaggio über das Geschehen berichten lassen.
Kurz vor knapp trifft Pia in Angel Manor ein. „Die stecken hier mitten in den letzten Vorbereitungen“, wispert sie mir aufgeregt zu.
Auf der Bühne stehen die Protagonisten und klären per Voice Chat den Ablauf. Pia Piaggio klickt sich auf einen der zierlichen roten Sessel und schaut sich ehrfürchtig um.
„Das ist ja hier wirklich sehr prunkvoll ausgestattet“, seufzt sie andächtig. „Endlich bin ich selbst mal im legendären Rose Theatre“, freut sie sich. Legendär ist es in der Wirklichkeit tatsächlich. Im Jahre 1877 wurde es auf der heutigen Karl-Marx-Allee eröffnet, erhielt dann seinen Namen vom neuen Besitzer Bernhard Rose und glänzte 1944 mit einer letzten Vorstellung, um danach zuerst in ein Kino umgewandelt zu werden und schließlich in der Schlacht um Berlin zerstört zu werden.
Nun ist es also in der virtuellen Welt auferstanden. „Wie herrlich, dass so was funktioniert“, freut sich Pia, und dann geht es auch schon los. Aus der Mercatorhalle schaltet sich Andreas Mertens aka Patrick Wunderland ein und moderiert die dortigen und hiesigen Geschehnisse. „Patrick schlägt mal wieder die Brücke zwischen RL und SL“, zischelt Pia mir zu. Wohl wahr, in Duisburg verfolgt man nun die Geschehnisse im virtuellen Rose Theater.
Den Auftakt liefert eine Modenschau, die Tia Ryba von der TnT Model Agency präsentiert. Allerdings passiert eine ganze Weile lang gar nichts. Auch spricht niemand mehr. „Das ist ja leicht beklemmend“, findet Pia die Situation.
Dann endlich taucht in dem roten Viereck eine Silhouette auf. Noch immer ist es mucksmäuschenstill.
Das Avi-Model beginnt zu posen. „Das ist vielleicht eine Einleitung ohne Musik“, mutmaßt Pia, aber damit liegt sie leider falsch. Irgendwie will es der Musikstream nicht tun, stellt man unwillig fest.
Aber van Zardak bügelt das alles durch einige charmante Worte glatt. Musik gibt’s eben nicht, dafür aber Top-Models, die für ihren virtuellen Auftritt in aller Frühe aufgestanden sind, da sie sich real in den USA befinden.
„Weia, Stephy, hat die einen Vorbau“, entfährt es Pia beim näheren Betrachten des ersten Models. Jaja, das muss so sein, so was zieht an. Da ist ordentlich dran geprimt worden, würde ich mal sagen.
Ganz anders, eher androgyn, präsentiert sich Kat Svenska, ein weiteres Topmodel der TnT Agency.
„Ein starkes Make-up trägt sie. Schau dir doch mal die Augen genau an!“, fordert Pia mich auf.
Yeep, da können einem die Tränen kommen, so gut ist das gemacht. Pia kichert.
Dann meint sie: „Schieß mal ordentlich Fotos von dieser Kat Svenska. Ich hab’ so das Gefühl, aus der wird mal ein echtes SL-Supermodel. Und dann werden unsere Fotos bestimmt so richtig wertvoll“, frohlockt sie.
Dann allerdings ist die Modenschau auch schon vorbei. „Also so all zu viel gab es ja nicht zu sehen“, meint Pia leicht enttäuscht. Tja, und das, was es zu sehen gab, lag im Dunkeln. „Da hätte man mehr Licht oder zumindest Spotlights einsetzen müssen“, setzt sie noch forsch hinterher.
Gleich darauf gestaltet sich die Bühne um. Wie von Zauberhand tauchen die Talk-Sessel aus dem Nichts auf, die abgehangenen blauen Tücher verschwinden, eine andere Kulisse primt sich hervor und das Kolorit wechselt in ein schrilles Gelb.
Mit ein paar Mausklicks nehmen die Talkgäste platz und Draxtor legt los. „Er kann unheimlich toll erzählen und moderieren“, schwärmt Pia und lässt sich von seinem Redefluss entführen.
Zuerst plaudert er mit der deutschen Sängerin Jaynine Scarborough über ihre Auftritte im Second Life und die Möglichkeiten, die sich dort für sie als Musikerin ergeben.
Dann kommt nerd Bert von der Crossworld Gallery zu Wort, der über seine vierjährige Erfahrung als virtueller Galerist spricht.
Danach plaudert Tia Ryba aus dem Nähkästchen einer Modelagenturchefin, erläutert die Voraussetzungen und Chancen als virtuelles Model.
Zu guter Letzt darf auch Kaya Angel, der Kreateur des Rose Theaters, noch ein paar Worte sagen. Dann jedoch ertönt die Stimme Andreas Mertens aus dem Off, der auf die strenge Timeline in Duisburg verweist und die Übertragung der virtuellen Talkrunde von jetzt auf gleich abbricht. „Huuups“, kommentiert Pia das.
Zu allem Überfluss muss sich dann noch Draxtor Despres eilig ausloggen – die Pflichten des RL rufen ihn in Form von erwachenden Kleinkindern. Fast gleichzeitig wird die Meldung eingeblendet, dass van Zardak ebenfall ausgeloggt wurde und so sitzt die Talkrunde plötzlich ohne Übertragung und ohne Moderatoren da.
„Das nahm jetzt irgendwie ein ziemliches holpriges Ende“, murmelt Pia leicht irritiert.
Die Talkgäste kümmert dieser jähe Abbruch jedoch kein bisschen. Unberührt zwitschert man weiter über die Kunst, das Künstler sein und das Kunst machen im virtuellen Raum. Dabei zaubert man einige Leckereien aus dem Inventar, sodass sich der Plaudertisch immer reicher deckt.
„Nun ja, das war zwar nicht ganz das, was ich erwartet habe, aber interessant war es trotzdem“, resümiert Pia. Und damit spricht sie wohl allen, die dort waren, so ziemlich aus dem Herzen ;-)
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