In Erinnerung an einen schon lange vergangenen Sommerurlaub reise ich heute via Pia Piaggio nach Arcachon. Draußen brüllt die Hitze und mir ist nach ein wenig Erholung in diesem französischen Küstenstädtchen am Atlantik, das mir seinerzeit so gut gefiel.
Pia Piaggio erwartet mich schon auf der Terrasse einer kleinen Bar und ich muss zwei bis vier Mal hinsehen, bevor ich sie erkenne. Ich hatte ihr gesagt, sie solle sich ein wenig in Schale werfen für unseren heutigen Trip, denn Arcachon ist mitunter ein sehr edles Pflaster. Tja, und die Pia hat sich wirklich nicht lumpen lassen. Offenbar hat sie sich gleich in ein komplett neues Skin gequetscht. „Gefalle ich dir?“, fragt sie mich mit dem Hauch eines verführerischen Lächelns. Naja, ich muss mich wohl erst an ihre “neuen Dimensionen” gewöhnen.
Jedenfalls können wir so die Sim erkunden, das ist zweifellos gegeben. Die Landschaftsarchitektur lehnt sich an die geografischen Gegebenheiten des echten, realen Arcachon an. „Ach ja?“ bemerkt Pia ein wenig unbedarft.
Ja. Die Küste springt dort zurück und bildet das Becken von Arcachon aus, das gegenüber dem Städtchen ins Cap Ferret mündet. Diese besondere Geografie gibt der ganzen Gegend dort ihren Charakter. „Der da wäre?“, will Pia wissen.
Zum Beispiel die Austernzucht. Im Becken von Arcachon herrschen optimale Bedingungen zur Vermehrung dieser Meeresfrüchte, nach denen es die feinschmeckerischen Gaumen verlangt.
Gezüchtet werden sie an Pfählen, die im seichten Gewässer stecken. Die Strandpromenade von Arcachon ist bekannt für ihre Restaurants, die ihren Gästen Meeresfrüchteplatten und Austern dutzendweise servieren.
Die Frische und Qualität ist dabei unschlagbar, entstammen diese Spezialitäten doch direkt dem stabilen Ökosystem des Beckens von Arcachon. „Das ist ja wirklich zauberhaft“, meint Pia beim Umblicken in der virtuellen Wasserwelt, wo es höchst lebendig gluckst und blubbert.
„Dann lass uns doch mal in Richtung Promenade stapfen. Vielleicht finden wir da ein nettes Lokal oder so“, schlägt Pia vor. Wie sie da so auf dem Pier steht, aufgebraselt wie ach-was-weiss-ich, finde ich sie doch nicht passend für das virtuelle Arcachon, das eher locker und entspannt wirkt. Also zerre ich das Kit Arcachon aus dem Inventar, das es in der Willkommenszone als Freebie zu ergattern gab.
„Weia, das Shirt ist ganz schön eng“, beklagt sich Pia hernach mit dem noch warmen Baguette unterm Arm. Ja meine Güte, das Problem ist wohl weniger das Shirt als Pias Vorbau von enormer Größe. Vorher, bei dem bauchfreien Fummel, fiel das nicht gar so auf. Jetzt tun natürlich auch noch die Querstreifen ihr Übriges. Aber egal, so richtig französisch ist dieses Outfit allemal.
Pia schlendert die virtuelle Promenade entlang. Den himmelblauen Roller ihres Namensvetters, der sich für eine luftige Fahrt anbietet, lässt sie rechts liegen und genießt stattdessen das Klacken der Absätze ihrer Sommersandalen auf den heißen Steinen.
„An witzigen Accessoires mangelt es dieser Gegend ja nicht gerade“, bemerkt Pia, als sie die typisch französischen Pissoirs passiert.
Im Hintergrund läuten die Glocken der Kapelle die Mittagszeit ein. Etliche Vogelstimmen zwitschern munter in der flimmernden Hitze, untermalt vom sanften Gurren der Tauben und dem Plätschern des ans Ufer drängenden Wassers.
Das Schulgebäude wirkt zur mittäglichen Stunde ein wenig verlassen, ohne dass es die Aura eines Lernortes wirklich verliert.
Fasziniert bleibt Pia vor einem Postkartenständer stehen. „Meinst du, ich kann van Zadark von hier aus eine Karte schreiben?“, will sie wissen. Keine Ahnung. Mal probieren. Für einen Lindendollar kauft sie sich ein hübsches Motiv, das sie zwar rezzen, aber nicht verschicken kann. Dies funktioniert dafür über die Website vom realen Archachon und in ihrem Auftrag sende ich eine Karte – nicht an van Zadark, aber an Tobias Würtz.
Einige Meter weiter ist eine Ausstellungsfläche der Kunst des Comics gewidmet. „An Humor fehlt es diesen Franzosen wohl nicht“, kommentiert Pia die Cartoons.
Nein, wirklich nicht. Und manchmal bekommt dieser Humor sogar eine schwarze Dimension, wie hier von Le Monte zum besten gegeben. „Sind das nicht die Beine von Carla?“, mutmaßt Pia und ich meine bald, sie hat recht.
Aus dem Städtchen hinaus führt ein schattiger Waldweg direkt auf ein kleines Sägewerk zu.
Pia schlendert vergnügt durch das Naturschutzgebiet, wo sich unter anderem eine Storchenfamilie eingenistet hat.
Dann gelangt sie in zu einer kleinen Ansiedlung, wie sie typisch für das ländliche Südfrankreich ist.
Natürlich fehlt es auch nicht an dem Stöffchen, das nicht nur die Franzosen am fröhlichen Leben erhält. Ein uriger Weinkeller ist fester Bestandteil dieser virtuellen Präsenz.
Vorbei an einigen der typischen Strandvillen von Arcachon nähert sich Pia langsam aber sicher einer europäischen Einzigartigkeit.
Die Dune du Pilat ist mit etwa 115 Meter Höhe die größte Düne Europas und ihre Besichtigung ist immer wieder gerne ein sportlicher Ausgleich für zuvor getätigte Fressorgien im Urlaubsrausch.
Gleich dahinter entdeckt Pia einen Campingplatz und wird von lässiger Reggae-Musik empfangen.
Pastis gibt es aus dem Spender und selbstredend gratis. Mit viel Überredungskunst schaffe ich es, dass Pia nicht an dieser Strandbar hängen bleibt. Sie hat vor lauter Durst drei Gläser von diesem „Lakritzesaft“, wie sie es nennt, abgepumpt und tippelt nun etwas waghalsig weiter.
„Ich weiß schon, wo ich diese Nacht schlafen werde“, kichert sie und zeigt auf das blaue Zelt, das wirklich sehr gemütlich wirkt, vor allem in einer lauen Sommernacht, wie sie auf Pia wartet.
Auf dem Rückweg gen Städtchen erwischt sie zwei Sprayer, die am hellerlichten Tage ihrer Leidenschaft nachgehen. „Das ist hier voll erlaubt“, entrüsten sie sich, als Pia sie blöd anmacht.
Es wird derweil schon dämmrig und unter den lauschigen Arkaden flammen die ersten Lichtlein auf.
Allerdings ist es so, dass es im virtuellen Arcachon zwar viel zu sehen und zu entdecken, jedoch nichts zu kaufen gibt. Alles ist gratis, was für die Urlaubskasse nur von Vorteil sein kann.
„Ein irre schöner Ort, dieses Arcachon“, resümiert Pia in einem Liegestuhl abhängend. „So detailreich und liebevoll gestaltet. Und, wie du mir ja versicherst, mit dem totalen französischen Flair. Wirklich klasse! Hier mache ich jetzt erstmal so richtig Urlaub.“





