Die Loveparade 2010 in Duisburg wird wahrscheinlich die letzte ihrer Art gewesen sein. Hat das Haushaltsdefizit von über 3 Milliarden Euro den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) dazu bewegt, trotz Warnungen der Polizei und Feuerwehr am Samstag morgen die Genehmigung für die Veranstaltung zu erteilen?
Wenn der OB Sauerland dem Sprecher der Veranstalter, Björn Köllen, tatsächlich geglaubt hat, 95 Euro mal 1,6 Mio. Teilnehmer wären 144 Mio Euro Gewinn und nicht etwa Umsatz, wären sogar die 3 Milliarden Euro Schulden verständlich….
Oder war es der Druck der ersten anwesenden Teilnehmer, die sich am Samstag morgen in Duisburg auf eine Party freuten, und sicherlich recht ungehalten gewesen wären, wenn sie hätten nach Hause fahren müssen?
Wie lange kann er die “ich habe von Sicherheitsmängeln nichts gewusst”-Aussage glaubhaft machen, wenn die Presse auf Quellen verweist, die aussagen, es habe am Freitag noch eine Besprechung bezüglich der Sichreheitsmaßnahmen gegeben.
Wieviel Schuld trifft den Veranstalter Rainer Schaller, den „Ich bin 100 Prozent risikobereit“-Mann? Der mit seinem McFit-Risiko-Sunnyboy-Style nicht gerade das Image von Sicherheit und Seriösität aufgebaut hat, was ihn nun angreifbar machen kann.
Wie verhält es sich mit der Haftung der AXA in einer Gesamthöhe von 7,5 Millionen Euro?
All diese Fragen werden die Staatsanwaltschaft, Juristen und Journalisten noch einige Zeit beschäftigen.
Was allerdings dabei rumkommt, ausser ein paar blaue Augen und butige Nasen für diejenigen, die sich jetzt die Verantwortung gegenseitig zuschieben, bleibt ungewiss.
Der mittlerweile in Ruhestand gegangene Polizeipräsident Rolf Cebin, der schon 2009 seine Warnungen aussprach, nimmt dabei die Rolle der Kassandra ein: “Was nutzt dem Wissenden das Wissen, wenn ihm nicht geglaubt wird?”
Alles das wirft seinen Schatten auch auf ein virtuelles Event in Secondlife.
Seit sechs Monaten läuft die Organisation der “Life Parade“, dem virtuellen Pendant der Loveparade in Second Life. Auch hier gibt es Menschen, die mit dieser Veranstaltung Geld verdienen, Menschen, die Ihre Freizeit dafür zur Verfügung stellen, oder die sich anderweitig dafür engagieren. So hat dieses Event in Second Life Wellen geschlagen, die sogar die Lindens im fernen Californien erreicht haben, sodaß Linden Lab und der PR Agentur Edelmann das Event tatkräftig unterstützten.
Und genau dieses Event wurde nun kurzer Hand abgesagt!
Sechs Monate Arbeit werden mal eben bei Seite geschoben, anstatt eine Debatte über den Sinn und Unsinn einer virtuellen Veranstaltung zu entfachen, und so das Drama zum Schrecken der Angehörigen weiter auszubreiten.
Aus Anteilnahme und Respekt den Opfern und Angehörigen gegenüber, die das viel zu lange Abwägen zwischen Profit und Sicherheit mit Gesundheit oder sogar mit dem Leben bezahlen mussten.
Die Veranstalter und Teilnehmer in Secondlife verzichten auf ihren Profit und ihren Spass, obwohl die Frage der physischen Sicherheit in virtuellen Welten völlig irrelevant ist…





