So viel vorweg: Es gibt auch schöne Dinge über Afghanistan zu berichten. Dieses Land, das seit den neunziger Jahren von den Taliban-Milizen in Angst, Schrecken und Elend gehalten wird, ist Thema einer Ausstellung des Four-Bridges-Projekts in Second Life™. Dort zeigt es sich von seiner wesentlichen Seite: seiner Geografie, seinen Einwohner und seiner Kultur.
Als Pia Piaggio durch das übergroße Holztor schreitet, empfängt sie ein pfeifender Wind. Sie blickt in eine Sandwüste, umgeben von einem zerklüfteten Gebirge. „Eine ganz schön karge Landschaft“, bemerkt sie trocken. Das stimmt, denn dieses Land besteht geografisch gesehen überwiegend aus dem Gebirge Hindukusch. „Verstehe“, nickt Pia. „Das ist natürlich eine ideale Voraussetzung für diese rebellischen Taliban“, folgert sie recht scharfsichtig.
Raus aus diesem Gebirgskessel gelangt sie nur über einen Teleport in eine der Regionen, die das Afghanistan Virtual Museum anbietet. „Zuerst schaue ich mir mal die Ausstellung an“, beschließt sie und tippelt los in Richtung Treppe.
Eine interaktive 3D-Karte erläutert die Geografie des Landes und deren Besonderheiten. Es gibt nur sechs größere Städte, wovon Kabul die mit Abstand größte ist. Etwa 80 % der Bevölkerung leben auf dem Land.
Sie besteht aus verschiedenen ethnischen Gruppen und Stämmen, was immer wieder zu Konflikten führt. „Haben die etwa alle auch noch eine andere Religion?“, fragt Pia leicht besorgt. Nein, fast alle sind Muslime, aber je nach ethnischer Zugehörigkeit wird der Islam anders ausgelegt. Das macht das friedliche Zusammenleben nicht unbedingt leichter.
Eine Karte gibt über die von den einzelnen Gruppen bevölkerten Regionen Auskunft. „Also diese Ausstellung ist wirklich ganz toll gemacht“, lobt Pia. Das stimmt. Die meisten Elemente sind interaktiv, die Informationen sorgfältig zusammengestellt und viele Objekte sind darüber hinaus mit einer Notecard bestückt. Da steckt eine Menge Arbeit drin, die hier an keiner Stelle gescheut wurde.
Ebenfalls fällt angenehm auf, dass der islamische Glaube selbstverständlicher Bestandteil des ganzen Ambientes ist. Er wird dem Besucher nicht aufgezwängt und ist auch nicht weiter thematisiert. „Das hatten wir ja auch schon anders“, frotzelt Pia in Erinnerung an einen zurückliegenden Streifzug.
Hier geht es wirklich um das Kennenlernen einer fernöstlichen Kultur in all ihren Aspekten. Dazu gehört natürlich auch die Kleidung und das Wohnen.
Sogar die wesentlichen Hausarten haben ihren Platz, sehr passend mit Blick auf die Landschaft, in die sie sich einfügen.
Auch Tanz und Musik sind thematisiert.
Genau so wie die afghanische Literatur…..
…..die afghanische Kunst im allgemeinen….
…..und die besondere Kunst des Teppichknüpfens.
Schließlich zeichnet sich jede Kultur auch durch ihre speziellen kulinarischen Gerichte aus. Durch deren Anklicken auf der Speisekarte erscheinen sie auf dem orientalischen Tisch, der sich wie von Zauberhand deckt. „Lecker“, gluckst Pia mit vollgestopften Backen.
Und sogar für eine Art Nachtisch ist gesorgt. Zur Wahl steht Cannabis oder Opium, das man im virtuellen Afghanistan straflos konsumieren darf.
Pia Piaggio macht sich gleich ran an die gestopfte Wasserpfeife. „Ich probiere einfach mal Beides“, entscheidet sie, noch im Vollbesitz ihrer geistigen Klarheit. Aber logisch, es dauert nicht lange, da ist sie nicht mehr ansprechbar. Sie kichert und giggelt, redet lauter wirres Zeug und befindet sich jenseits von Gut und Böse.
Nach etwa einem Dutzend Füllungen dieser Wasserpfeife schläft sie von jetzt auf gleich ein. Der Wind pfeift durch den Hindukusch. Auf manchen Felsen brennt ein Öllämpchen und spendet ein wenig Licht in der Dunkelheit, die sich über diesem Land ausgebreitet hat.
Klasse Bericht! Danke, für diesen Tipp.
RAWA Exhibit ist auch noch einen kleinen Teleport dort wert. Am Besten vor dem Genuss der Wasserpfeifen ;-)
Gruß Fritz
Der Hinweis auf RAWA (Revolutionary Association of the Women of Afghanistan) ist eine wichtige Ergänzung – vielen Dank! In dem Streifzug habe ich diese Ausstellung leider nicht unterbringen können. Es gibt also im virtuellen Afghanistan noch mehr zu sehen, als hier erwähnt….