Lernen in 2020 – Blogparade

Lernen in 2020 – BlogparadeDer Entwurf des aktuell so heftig diskutierten Kleinstschnipselwiederverwertungsgesetz (kurz Leistungsschutzgesetz) ermutigt mich, mal wieder an einer Blogparade teilzunehmen. Dabei kann ich ja schon einmal üben, möglichst viele Links auf “1.0-Mainstream-Verlage” zu vermeiden. Mit dem Wort “Schn**s*lverwertungsges***” (oder so Ähnlich) bin ich vermutlich bereits reingefallen. Dieses hat bereits Sa***a L**o benutzt auf dieser Seite von SP****L ONLINE (möglicherweise sind es auch nur Schnipsel aus Schnipsel).

Jetzt aber zum Thema der Blogparade, damit ich nicht zuviel Energie verliere durch Dinge, die ablenken: Nico Kirch ruft in seiner aktuellen Blogparade auf, darüber zu schreiben, wie wir uns das Lernen im Jahr 2020 vorstellen und welche Visionen wir haben.

Dabei geht es ihm nicht nur um die Erwachsenenbildung und Fortbildung, sondern auch um die Schule und die berufliche (Erst)-Ausbildung. Ich denke, dass sich insbesondere im Bereich der Erst- bzw. Grundausbildung entscheidende Veränderungen vollziehen werden und zwar zwangsläufig unter dem Druck einer Wissensgesellschaft vor der Globalisierung.

Bevor ich in Nico’s Leitfragen einsteige, möchte ich ein paar grundlegende Gedanken festhalten und seine Leitfragen um zwei weitere Fragen ergänzen:

  1. Was werden wir im Jahr 2020 lernen?
  2. Wozu und wofür werden wir im Jahr 2020 lernen?”

Vielleicht fragt ihr jetzt: “Was soll das? Stellst Du wirklich die Sinnfrage in Bezug auf das Lernen?”. Nein, mit >Wozu und wofür< meine ich, was die primäre Ziele sein werden für die wir lernen, in Bezug auf die sich ständig verändernde Umwelt. Mit Umwelt schließe ich die Natur, die Märkte und den technologischen Fortschritt mit ein (Technologieumwelt/Umfeld). Wir können uns es einfach nicht länger leisten, an den Anforderungen der Märkte vorbei-zu-bilden. Die Schulen und Lehrkräfte müssen dringend mehr Wirklichkeitsbezug gewinnen auf allen Ebenen.

Ich frage mich, welche Anforderungen diese Ziele an die Formen und Inhalte des Lernens der Zukunft stellen!

Dazu müsste ich mich jetzt erstmal ins Jahr 2020 beamen. Das ist schwer, deshalb Visionen. Okay, hier meine Stichpunktsammlung für die nächsten 8 Jahre im Sinne eines Fast-Brainstormings:

  • Lernen in der Globalisierung (!)
  • Steigende Virtualisierung
  • Virtuelle Teams (insbesondere auch von überregionalen und internationalen Teams)
  • Geschwindigkeit, praktische,
    schnelle und zielorientierte Lösungen, Stichworte: MicroLearning und MicroContent
  • War for Talents
  • Zunahme der Automatisierung von Jobs im Bereich einfacher Prozesse (Automatisierung der Kasse im Supermarkt) und damit die einhergehende Veränderung
    des Arbeitsmarktes (Anstieg Arbeitssuchender)
  • starke physikalisch-räumlich Entkoppelung und Koppelung (!) des
    Menschen durch das Internet und virtuelle Welten, Hologramme, Avatare und dem mobilen
    Allgegenwärtigsinternet
  • starke Technologiekonvergenzen

Mein Konklusio aus diesen Erläuterungen lassen mich darauf schließen, dass sich künftige Problemstellungen in folgende Richtung verschieben werden:

  • Weniger Bedarf an geringere Qualifizierte
  • Mehr Bedarf an höheren Qualifikationen
  • Mehr Bedarf an Kreativität
  • Mehr Bedarf an Methodenkompetenz
  • Mehr Bedarf an Anpassungsfähigkeit und im nächsten Moment auch Neudenken
  • Höhere Anforderungen in Bezug auf Teamfähigkeit
  • Höhere Anforderungen in Bezug auf interdisziplinäres Arbeiten
  • Höhere Anforderungen in Bezug auf Kommunikationsskills (Soft)
  • Höhere Anforderungen in Bezug auf Kommunikationsskills (Hard, Kommunikations- und Teamplay in virtuellen Teams)

Hinter diesen Grundgedanken glaube ich, dass sich die Lehrinhalte insofern verändern, dass wir wieder mehr Metakompetenzen vermitteln müssen (zwangsläufig, weil der Markt drückt), dass heißt, anstatt im Geschichtsunterricht bis zu Teufel komm’ raus Fakten nach dem
Modell des Nürnberger Trichters zu pauken, werden wir Geschichte hinterfragen, vielleicht auch re-interpretieren und re-deuten? Wir werden Geschichte nach-er-leben, weil wir nicht aus verstaubten Büchern lesen, sondern weil wir (vielleicht) Geschichte nach-spielen werden, im Sinne eines Serious Games, welches anschließend in der Gruppe physich oder virtuell reflektiert wird.

Bedeutende Lerninhalte werden sein: Medien- und Kommunikationskompetenz, finden, identifizieren und vernetzen von Microlearninginhalten, um

  • schnell eine Lösung zu einem konkreten Problem zu bieten
  • viele Fakten schnell zu erarbeiten und diese zu vernetzen

Die Lehr- und Lernumgebungen werden vielfältiger sein, als je zuvor. Physikalische Räume werden durch die konvergierenden Technologien angereichert und teilweise substituiert werden.Man muss nicht zwangsläufig am Lernen im physikalischen Raum teilnehmen müssen. Präsenztrainings werden ein exklusives und attraktives AddOn sein, weil die “analoge Atmosphäre” ein besonderer Luxus wird. Diesen “analogen Luxus” wird man in Bezug auf Bildung komplett anders handhaben und endlich richtig nutzen

Lehrer, die sich mit ihrem Unterricht nicht wesentlich abheben von dem, was ein Videoportal wie oberprima.com leistet, werden obsolet. Es wird quasi eine Selbstbereinigung stattfinden. Lehrer die in ihrem Präsenzunterricht einen Mehrwert leisten, werden zu Mentoren, die Persönlichkeiten entwickeln. Es wird eine Wandlung stattfinden:

Vom “Unter-richt” zum Mentoring mit wertschätzender Kommunikation, bei dem es darum geht, reife Menschen zu entwickeln und Schlüsselqualifikationen wie Lernen lernen zu vermitteln sowie Metakompetenzen

In diesem Sinne können wir uns doch freuen, oder?

Über Andreas Mertens

Andreas Mertens aka Patrick Wunderland (SL) ist Initiator von avameo und schreibt seit 2006 für diesen Blog.

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